Allgemein

Oh, ein Blog über Schauspielkunst

Schauspielkunst Allegorie

Es gibt jede Menge Blogs von Theatern und  von Schauspielern, aber erstaunlicherweise ganz wenig über die Schauspielkunst an sich. Vielleicht ist das kein Wunder, denn Worte für das zu finden, was wir da tun,  ist schwer und wir scheitern alle täglich daran. Wenn wir ehrlich sind.

Das Material zum Thema Schauspielkunst ist zwar bei weitem nicht unüberschaubar, und doch ist es unübersichtlich. Methoden, biografische Notizen, Theorien von Fachfremden, fragmentarische Theorien und Methoden, Versatzstücke, viele viele Meinungen, Moden,  künstlerische Ansichten, nicht auszurottende falsche Allgemeinplätze… All das geistert mehr neben- als miteinander durch den Äther der Schauspielkunst.

Dazu kommt, dass die Schauspielmethoden großenteils aus dem vorigen Jahrtausend stammen und längst eines Updates aus naturwissenschaftlicher Sicht bedürften. Heute beispielsweise mit der reinen Lehre Stanislawskis zu arbeiten ist in etwa so, als würde man heute psychisch Erkrankte nach der reinen Lehre von Sigmund Freud behandeln. Das macht kaum jemand, zugegeben. Was aber viele tun, ist mit Versatzstücken zu arbeiten, von denen man nicht einmal mehr genau weiß, woher sie kommen.

                                                                                                                   

Schauspielkunst zerlegen

In diesem Blog werde ich von dem, was da so herumgeistert, so manches aufsammeln, zerlegen, aufbrechen, neu ordnen und mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenführen. Ich werde Bücher, die mir zu diesem Thema relevant erscheinen, vorstellen und Menschen befragen, die wirklich Ahnung haben.  Ich werde unglaublich viel verlinken, denn ich bin ein großer Fan von ausuferndem Lesen. Ein paar echte Versuche muss ich auch machen, die werden dann hier dokumentiert. Und ich werde immer wieder wagen, selbst die banalsten Fragen zu stellen. Und ich lade euch Leser dazu ein, da gerne mitzutun.

Wenn das gut läuft, wird der Blog hier irgendwann zu etwas, wo man zum Thema Schauspielkunst durchaus auch Antworten und zumindest sehr viel Anregung finden kann. Das ist mal die pragmatische  Seite.

Wissenschaftliche Kunst

Es gibt aber auch noch eine andere. Denn je mehr ich mich mit dem Thema Schauspielkunst praktisch und theoretisch beschäftige, umso aufregender wird das Thema für mich. Es gibt nicht immer weniger, sondern immer mehr, das ich wissen möchte. Das ist die nicht pragmatische Seite, sondern die uneffektive, unökonomische, auch unvernünftige, wo einen halt im Leben etwas packt und nicht mehr loslässt. Das ist, ja, die künstlerische Seite.

Ich sehe mich mit dieser Unternehmung hier nämlich nicht jenseits der Kunst. Was ja mancher sagen würde. Dass ich Kunst nur betrachte. Nein, ich suche hier, wie gute Kunst geht. Die Mittel, die ich gewählt habe, sind die der Naturwissenschaften. Der Begriff „Theater des wissenschaftlichen Zeitalters“  ist ja schon alt, stammt  ja von Bertolt Brecht.  Ich greife ihn hier auf, auch wenn ich weiß, dass Bertolt und ich da Diskussionen hätten. Das werden wir hier noch erörtern.

Kunst soll ja alles dürfen, solange sie nicht mit der Verfassung kollidiert. Daher ist die wissenschaftliche Sichtweise auf den Menschen und auf den Vorgang Schauspielen  eine von endlos vielen möglichen künstlerischen Sichtweisen.